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Studie: Überwältigende Mehrzahl der Hartz 4 Empfänger engagiert und arbeitswillig

Samstag, Dezember 25th, 2010

Es gibt viele Vorurteile gegen die Empfänger von Sozialleistungen. Forscher räumen nun in einer großangelegten Studie mit solchen Ressentiments auf:

Als motiviert und arbeitswillig schätzen sich die meisten Hartz-IV-Empfänger ein. Eine Studie zeigt: Die Arbeitslosen kümmern sich um ihre Kinder, pflegen Angehörige oder bilden sich fort. Wer auf Jobsuche ist, hat allerdings wenig Chancen. Auch eine härtere Gangart würde daran nichts ändern.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, wollte es genau wissen. Die Forscher befragten repräsentativ 10.000 Hartz-IV-Empfänger. Das Ergebnis: „Nur eine sehr kleine Minderheit nennt Gründe, die als direkte Hinweise auf eine fehlende Arbeitsmotivation gedeutet werden können.“

Aus der IAB-Studie geht hervor, dass der Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) „nur selten ein Ruhekissen ist“: Demnach sind nur etwa 60 Prozent der Arbeitslosengeld-II-Empfänger überhaupt verpflichtet, sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Und die große Mehrheit von ihnen tut das auch: sie bemühen sich tatsächlich um einen Job, „teils auf vielfältige Weise“, betonten die Arbeitsmarktexperten. 65,5 Prozent, etwa drei Millionen, tun etwas Nützliches, zählt man das Betreuen von Kindern unter 15 Jahren dazu. Allerdings sind nur 60 Prozent rechtlich verpflichtet, sich eine Stelle zu suchen. Die anderen nicht, etwa weil sie als Alleinerziehende ein Kind unter drei Jahren haben.

1,8 Millionen Kinder bekommen Hartz IV

Von denjenigen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, gaben etwa zwei Drittel an, in den letzten vier Wochen nach einem Job gesucht zu haben. Doch nur jeder Vierte wurde im Vormonat der Befragung zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Die Forscher werten dies als Indiz, dass es nicht an der mangelnden Motivation liegt, wenn Langzeitarbeitslose ohne Job bleiben. Sie haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt: Sie sind oft schlecht ausgebildet bzw. haben nur geringe Qualifikationen vorzuweisen, sind gesundheitlich angeschlagen, haben einen Migrationshintergrund oder sind alleinerziehend.

Nach der Untersuchung ist die Arbeitsmotivation der Hilfsbedürftigen sogar höher „als die der übrigen Bevölkerung“. 80 Prozent bekundeten, eine Arbeit unter ihrem Qualifikationsniveau aufnehmen zu wollen.  Die Motivation der meisten Hartz-IV-Empfänger sei hoch, stellen die Forscher fest: „Sie weisen der Arbeit einen hohen Stellenwert zu“. Sie empfehlen zur besseren Vermittlung keine „härtere Gangart gegenüber den Grundsicherungsempfängern“, wie sie schreiben, sondern ein „individuelles Eingehen“ auf die persönliche Situation. Dafür brauche es allerdings mehr Personal.

Sie warnen ausdrücklich davor, eine noch härtere Gangart „gegenüber den überwiegend motivierten Grundsicherungsempfängern“ einzulegen. Stattdessen plädieren die Wissenschaftler dafür, die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger zu verbessern und auf ihre individuelle Situation mehr einzugehen.

Mehr Infos:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-befragung-von-betroffenen-selten-ein-ruhekissen-1.992797