Posts Tagged ‘Oslo’

Erfolgreich gegen Nazis und doch noch zu wenig erreicht

Sonntag, August 7th, 2011

Am gestrigen Samstag, 6.8.2011, hatten Nazis gleich an vier Orten in Deutschland Aufmärsche und Werbeaktionen geplant:

– Berlin: NPD für eine Plakataktion zur Abgeordnetenhauswahl

– Gera Europas größtes Nazifest

– Bad Nenndorf  „Trauermarsch“ am Wincklerbad

– Bielefeld: Aufmarsch am lokalen alternativen Jugendzentrum

Wie es nach ersten Berichten scheint, konnten die Nazis überall friedlich in ihre Schranken gewiesen (und hoffentlich ordentlich entmutigt) werden. Das ist ein großer Erfolg!

Dennoch kann uns das nicht beruhigen, denn dieser Erfolg ist nur ein Schrittchen auf dem Weg und noch haben wir kaum etwas erreicht. Im Gegenteil: Die Taten von Oslo und Utøya zeigen, dass die Hetze gegen Moslems und Fremde längst in der sog. „Mitte der Gesellschaft“ angekommen sind und das auch von dort massive Gewalt ausgehen kann. Es gibt keinen gesellschaftlichen Konsenz mehr, dass gegen Fremde und Anders-Glaubende nicht gehetzt werden darf. Die Mühsam erkämpfte Übereinkunft, das Kleidung eine Privatangelegenheit ist, wurde von diesen Radikalen aus der Mitte aufgekündigt.

Wir können uns daher nicht länger damit begnügen, Faschisten an Aufmärschen und Propaganda zu hindern, sondern müssen aktiv Aufklärungsarbeit betreiben. Wir müssen reden. Miteinander.

Wir müssen Reden über Vorurteile, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit. Wir müssen Integration praktizieren:  Indem wir Einwanderer, Moslems, Flüchtlinge und türkische Nachbarn kennenlernen, Unterschiede und Konflikte aushalten und den Kontakt halten.

Wenn es „Fremde“ in unserer Umgebung (Arbeit, Nachbarschaft) gibt, dann sollten wir sie ansprechen. Vielleicht unsere türkischen Nachbarn zum Essen einladen. Mit den Kids aus der Nachbarschaft gemeinsam NPD Aufkleber abreißen oder auf ne Anti-AKW-Demo gehen. Die lokale Moschee besuchen, gemeinsam ein Straßenfest organisieren, …

Als Grund können wir ruhig die Geschehnisse von Norwegen oder lokale Nazi-Aktivitäten nennen. Die Meisten werden die Geste zu schätzen wissen.

Für wen sich solche Möglichkeiten nicht direkt ergeben, muss deshalb nicht untätig bleiben. Fussball ist zum Beispiel ein toller Anknüpfungspunkt, der überall auf der Welt geteilt wird. Sei es indem wir Kontakt zu anderen Eltern im Jugendfussball suchen, ein Freundschaftsspiel mit einer lokalen türkischen Mannschaft organisieren oder ein offenes Streetfussballtunier (und breit dafür werben).

FilmplakatDoch es muss nicht Fussball sein: Fast jede Aktivität bietet solche Möglichkeiten – wenn man nur danach sucht.

Aber auch, indem wir aktiv informieren über das Anders sein der Anderen und dadurch das irrationale Gefühl der Bedrohung zerstören, dass scheinbar viele eigentlich vernünftige Menschen in unserer Umgebung verspüren.

– Vorträge und Lesungen zu anderen Religionen organisieren

– Bücher weiterempfehlen

– Zum Tag der offenen Tür in der lokalen Moschee gehen (und Freunde mitnehmen)

– Interkulturelle Veranstaltungen organisieren (in der Stadt, im Stadtteil, in der Schule, im Kindergarten)

– Im lokalen Programmkino informative Filme rund um Immigration, Flucht und Religionskonflikte zeigen (zum Beispiel „Willkommen Zuhause

– Mal eine Sprache aus einem anderen nicht-westlichen Kulturkreis erlernen (Türkisch, Arabisch, Chinesisch …)

– Über Rechtspopulisten und ihre Rhetorik informieren

 

Und wir sollten uns noch besser vernetzen, um gemeinsam aus unseren Erfolgen und Fehlern lernen zu können. Eine Möglichkeit dazu ist die Mailingliste „Aktiv gegen Nazis“ . Dort werden wir auch weitere Aktonsbeispiele und Ideen verbreiten.